Nachfolgender Bericht, erzählt von einer betroffenen Angehörigen einer charismatisch-pfingstlerischen Familie, handelt von der Wirkung, die ein amerikanischer Prediger mit Namen Morris Cerullo bei nachfolgenden Gläubigen hinterläßt.
Ursprünglich als Evangelist in Massenveranstaltungen in den USA und Südamerika erfolgreich, wirkt Cerullo seit einigen Jahren durch das Jesus-Haus Düsseldorf, das ihn mehrmals zu Predigtreihen einlud, auch im bundesdeutschen Gebiet.
Der Bericht zeigt nicht nur, wie amerikanische charismatische Prediger und Gemeinschaften auch hier in der Bundesrepublik Einflüsse hinterlassen können, wenn ihre theologischen Inhalte von hiesigen charismatischen Zentren gefördert, importiert und ausgebreitet werden.
Der Bericht erzählt ebenso von der schwierigen Aufgabe, die sich betroffenen Familien stellt, wenn bestimmte Glaubensformen in fundamentalistischen Gemeinschaften nicht nur einen Dialog mit Außenstehenden fast unmöglich machen, sondern auch eine Bewältigung des alltäglichen Lebens dieser Gläubigen beinahe durch bestimmte Glaubensmuster ins Abseits gestellt wird. Wenn Familienverbundenheit, der Wunsch zu helfen und Schaden zu begrenzen, mit der Einsicht aufeinanderprallen, daß die Grundlage vernünftigen Handelns durch Sektenstrukturen schon längst entzogen worden ist, ist das für betroffene Angehörige oftmals ein bitterer Weg der Ernüchterung und eine Gratwanderung der Gefühle.
Der Bericht zeigt ebenso, daß die vorhandenen kompetenten bundesdeutschen
Institutionen zu Sekten- und Weltanschauungsfragen leider noch immer für
manche Betroffene schwer zugänglich sind. Eine Odyssee durch weltanschaulich
gefärbte unseriöse Beratungsangebote ist manchmal das Resultat
der verzweifelten Suche nach Hilfe.
Zuerst möchte ich die Personen, die in diesem Bericht vorkommen vorstellen:
Ich bin Eli und komme aus Kanada, ich wohne aber mit meinem Mann Andi in Deutschland. Andi stammt aus Philadelphia; seine Eltern Doris und Bob leben dort. Der Bruder meines Mannes heißt Rod und ist mit Ann verheiratet, beide haben zwei Kinder, 4 und 8 Jahre alt; momentan wohnen sie in Kalifornien bei den Eltern von Ann.
Als ich vor 7 Jahren Andis Eltern kennenlernte (sie waren zu Besuch in Deutschland), wurde ich durch ihre sehr christliche Einstellung überrascht. Irgendwie paßte es nicht zu dem Bild, welches ich mir von Andis Familienverhältnissen gemacht hatte. Nach dieser ersten Begegnung befragte ich Andi und er erzählte, daß vor einigen Jahren, kurze Zeit bevor er nach Deutschland zog, seine Mutter großen Beistand von einer kleinen christlichen Gemeinde erfahren hatte und mit der Zeit sehr gläubig geworden war; kurz darauf seien auch sein Vater und sein Bruder bekehrt worden. Andi meinte, daß es sich um eine sehr lebendige Kirche handle, mit engen Verbindungen zwischen dem Pastor und seiner Gemeinde. Schon bei unserer nächsten Begegnung versuchten Andis Eltern mich zu 'retten' und schnell war man über meine Einstellung sehr besorgt (besonders, da ich mit ihrem Sohn zusammengezogen war).
Als Doris und Bob wieder heimkehrten, waren sie überzeugt, daß ich dem Teufel verfallen und zusammen mit Andi in großer Gefahr sei. Damals wußte ich nicht, ob ich mich darüber ärgern oder ob ich lachen sollte.
Ein paar Monate später flogen wir urlaubsmäßig nach Philadelphia und anschließend in meine Heimat. Dort lernte ich Rod und Ann kennen (damals wohnten sie bei Andis Eltern). Besonders Ann war mir gleich sympathisch, aber ich merkte bald, daß eine Wand - und zwar eine lächelnde Wand - zwischen Andis Familie und mir bestand, die ich nicht durchbrechen konnte. Immer wieder kam es zu stundenlangen Diskussionen über den Glauben, und mit der Zeit fing ich an, mich zu verkrampfen, wenn diese Gespräche aufkamen. Ich betete zu Gott und versuchte mir immer wieder das Bild einer weisen Frau ins Gedächtnis zu rufen, die mir einmal den Rat gegeben hatte, daß, wenn Menschen über Religion diskutierten, man still bleiben sollte und einfach z. B. sagen sollte: "wenn du meinst..." um dann, wenn möglich, das Thema zu wechseln. Aber es war leichter gesagt wie getan. Ich merkte auch, wie man begann, Andi zur Seite zu nehmen, um auf ihn ohne meinem Beisein einzureden. Es besorgte mich, da ich es zum einen unfair fand und mittlerweile fürchtete, daß eine mögliche Bekehrung Andis unsere Beziehung stark gefährden würde, da es sich um eine Entweder-Oder-Lebensform handelte, in der ein tolerantes Umgehen mit anderen Glaubensformen nicht möglich schien. Für mich stand fest, daß eine solche Glaubensform für mich nie in Frage kommen würde (auch wenn manchmal bei den langen Gesprächen in mir das Gefühl aufkam: "und wenn sie vielleicht doch recht haben?...., wäre es nicht vielleicht besser, es mal auszuprobieren?").
Ich lernte auch den Pastor dieser Gemeinde kennen, der, da er von meiner Bekehrunwilligkeit gehört hatte, mich mit offener Verachtung behandelte. Ich reagierte mit ruhiger Pikiertheit, auch als er kurz vor unserer Abreise Andi bat, die Schule zu besuchen, in der er unterrichtete, um eventuelle Finanzierungsmöglichkeiten aus Deutschland zu besprechen. Andi zögerte - mit dem Argument er habe keine Zeit-, worauf ich Andi vorschlug, doch am nächsten Tag vor unserer Abreise ein Stündchen einzuschieben. Andi erzählte mir hinterher, daß er über mich ausgefragt worden sei und man besonders über den Umstand, daß ich Vegetarierin sei, besorgt war.
Wir waren beide froh, als wir wieder daheim waren. Rückblickend fiel mir damals folgendes auf: Bob ist zwar pensioniert, er hat aber eine kleine Fabrik, die er zusammen mit Rod betreibt. Das Geschäft ging ziemlich schleppend. Aber während der Zeit dort habe ich Rod selten bei der Arbeit erlebt, meist war er mit Bibel unterwegs. Auf meine Frage hin wußte auch Andi nicht genau wie das alles funktionierte, er erzählte nur, daß er in der Vergangenheit seiner Familie hin und wieder Geld geschickt habe. Erst viel später sollten wir erfahren, daß die gesamte Familie von der Pension von Bob und geliehenem Geld lebten.
Die nächsten Jahre waren von periodischen Anrufen gekennzeichnet, immer brauchten sie dann ganz dringend Geld (und nicht wenig!). Wenn wir zögerten, bekamen wir zu hören, daß wir dann Schuld wären, wenn gute angehende Geschäfte nicht zustande kommen würden. Andi wollte seinen Eltern nicht weh tun und so schickte er das Geld, manchmal mußte er auch einen Kredit dafür aufnehmen. Als wir uns einen Computer und ein Fax (meine Schwiegereltern haben auch ein Fax) anschafften, und dadurch die Kommunikation wesentlich effektiver und billiger wurde, erfuhren wir mehr. Andi begann Fragen zu stellen. Die Antworten erstaunten uns. Wir bekamen auch mit, daß sich die Geschäfte irgendwie immer auf die eine oder andere Weise in Luft auflösten. (Wir vermuten, einer der Gründe war, daß sie nur mit sogenannten 'wahren Christen' zusammenarbeiten wollten und solche, die nicht ihren Glauben teilten, ablehnten).
Wir stellten fest, daß nur die Produktion einigermaßen funktionierte (dadurch, daß es einmal Bobs Beruf gewesen war). Wir hakten ein. Bei unserem nächsten Besuch versuchten wir, besonders Rod dazu zu bringen in Buchhaltung und Geschäftsführung ein paar Kurse zu besuchen. Er hielt uns dann die Bibel hoch und sagte, sein Lehrmeister Gott und der Heilige Geist würden ihm alles, das er für sein tägliches Leben brauche, geben; wir sollten nur abwarten, ab jetzt würde alles anders und die Segnungen des Sohnes Gottes, Jesus Christus, des Heiligen Geistes und des Vaters würden sich in Bälde bemerkbar machen. Von seiner Mutter wurde er in dieser Überzeugung unterstützt. Zusätzlich hatte es Prophezeiungen gegeben, welche die Wichtigkeit von Rod bekundeten, um das Werk Gottes auf Erden zu unterstützen. Auch bei diesem Besuch waren wir intensiven Bekehrungsversuchen ausgesetzt. Die einzige, bei der wir uns zum damaligen Zeitpunkt noch etwas Vernunft erhofften, war Ann, doch sie konnte sich nicht durchsetzen, besonders nicht gegen Doris.
Bei diesem Besuch stellte sich heraus, daß Doris und Bob einen christlichen Videoverleih eröffnet hatten. Einige der Videos sahen wir uns teilweise an, Andi mehr als ich, da ich dafür keine Nerven mehr hatte. Diese Videos beschrieben in schillernden Farben wie schön das Leben im Dienste Gottes sei, mit welchen Gnaden und Segnungen zu rechnen wäre; zum anderen, was für ein schreckliches Schicksal Nichtgläubige, noch schlimmer den Gegnern, beschieden sei.
Wieder in Deutschland, riefen wir nun jede Woche an und verlangten einen Statusbericht über das Geschäftliche (per Fax). Unsere Telefonrechnung schoß in die Höhe, doch es erschien uns notwendig. Ich glaube, der Grund, weshalb der Kontakt nicht abgebrochen wurde, die Tatsache war, daß Andi der Sohn und Bruder ist und eine Art moralischer Verpflichtung durch das von uns geliehene Geld entstanden war.
Geschäftlich rutschten sie immer weiter ab, und wir fingen nachdrücklicher an, nach Gründen zu fragen. Sie gaben an, daß die Mächte der Finsternis sehr stark wären und extrem gegen sie arbeiten würden. Wir versuchten zu erklären, daß sie mehr Chancen auf einen geschäftlichen Erfolg besäßen, wenn sie weniger die Bibel lesen und sich neben den religiösen Themen mehr den irdischen Sachen widmen würden. Wir versuchten rational zu erklären, benutzten zur Argumentation sogar ihre 'charismatischen' Argumentationsstränge und versuchten sie mit Gegenargumenten zu widerlegen oder sachlich zu einer anderen Haltung zu bewegen. Alles umsonst. Einen Tiefpunkt erreichte die Familie, als in einem Höhenflug Exportgeschäfte mit dem Ausland geplant wurden. Andi versuchte sie davon abzuhalten, und als dieses nicht mehr ging, eine vernünftige Vorgehensweise vorzuschlagen, nämlich Vorsichtsmaßnahmen nicht außer acht zu lassen. Die Antwort darauf war, wir wüssten eben nicht, daß der Heilige Geist schon für alles gesorgt habe. Wieder wollten sie von uns zwecks Vorfinanzierung Geld, nur für eine ganz kurze Zeit, wir würden es dann in Fülle zurückerhalten. Diesmal gaben wir nichts. Daraufhin verpfändeten Doris und Bob ihr gesamtes Hab und Gut, um einen Kredit zu erhalten. Wie von uns vorausgesehen, trat das Unvermeidliche ein, das Unterfangen schlug fehl. Wir versuchten mit Logik zusammen mit ihnen ihren Mißerfolg zu analysieren; wir fragten, wer wohl alles besser vorausgesehen habe, sie mit ihrem angeblichen Bezug zum Heiligen Geist oder wir, ausgestattet mit einem von Gott gegebenem Verstand. Doch da wir nicht ihrer Gruppe angehörten, wurden wir mit einem verständnisvollem Lächeln abgefertigt. Es ist zu erwähnen, daß die ganze Zeit über, trotz der riesigen Niederlagen, sie nie das Lächeln verloren. Wir erlebten sie nur sehr selten niedergeschlagen.
Ein paar Monate später erhielten wir von Doris ein Fax, in dem sie uns erleichtert den Grund ihrer Mißgeschicke schilderte: Ein Pastor aus einer kleinen Gemeinde aus Montana, der mit der Gabe des Prophetie von Gott ausgestattet wurde, 'sah', daß auf dem Grundstück ihrer kleinen Fabrik vor vielen, vielen Jahren in satanischen Rituale Menschen geopfert worden seien. Deswegen ständen sie unter einem Fluch. Doch jetzt, wo sie den Grund kennen, würden sie viel beten und fasten, um diesen Fluch zu brechen.
Nachdem wir dieses gelesen hatten, waren wir nervlich fertig und ich zugleich wütend. Ich sagte zu Andi, daß es mir reiche und ich mich bei einer parapsychologischen Beratungsstelle erkundigen würde, ob so etwas überhaupt möglich ist. Ich führte lange Gespräche mit der Beratungsstelle, die mir Informationen zu Paranormalen gab. Sie sagten, daß erfahrungsgemäß weniger paranormale Erscheinungen, sondern eher emotionale Konflikte der Grund sein könnten und gaben uns Ratschläge, wie wir uns verhalten könnten.
Sehr beunruhigt flogen wir wieder 'urlaubsmäßig' hin. Vor Reiseantritt informierten wir unsere Familie, daß wir mit ihnen alles durchgehen wollten, um den wahren Grund ihrer Mißerfolge zu analysieren und auch beheben zu können. Als wir ankamen, waren Rod und Ann mit ihren Kindern fort und zu einer spirituellen Erneuerungsversammlung zu der Gemeinde nach Montana gefahren. Angeblich sollten sie innerhalb der nächsten Tagen zurückkommen, doch sie blieben mehrere Monate und kamen dabei vollständig unter dem Bann der Pastorin, die diese Gemeinde leitete. Auf unsere Frage, warum Rod und Ann ihre Reise nicht um 3 Wochen hätten verschieben können, sagte uns Doris, daß es besonders für Ann sehr wichtig gewesen sei, sofort zu reisen, da Rod und Ann in der letzten Zeit immer 'merkwürdiger' geworden wären. Als Grund nannte sie uns die dämonischen Einflüsse, die es zur Zeit in Philadelphia gebe. Sie selbst sei auch mit Bob für 2 Wochen dort gewesen und es sei ihnen sehr gut bekommen. Nun sein sie wieder wohlauf, um das Evangelisationswerk verstärkt in Philadelphia aufzunehmen. Tatsächlich schienen sie ausgeglichener zu sein und manchmal war es, als würde ein Teil ihrer unbeschreiblichen Freude auf uns abfärben, was Andi als Signal empfand, daß irgendwie sich alles zum Besseren wenden würde. Doch ich (obwohl ich auch diese Freude erlebte) hatte ein ungutes Gefühl, besonders, nachdem wir erfuhren, daß Bob und Doris die Befehle dieser Pastorin wie Marionetten ausführten: Während der Zeit fanden fast tägliche Gespräche statt, meist wenn wir nicht in der Nähe waren.
Wir gingen die Geschäfte der Vergangenheit mit Bob und Doris durch: Eine Buchhaltung gab es nicht. Die wenigen Unterlagen, die es gab, waren bei einer Gerichtsanwältin und diese gab sie nicht frei. Nicht einmal wir durften sie einsehen: Somit erahnten wir schon, daß einiges wohl nicht korrekt abgelaufen war. Wir bemerkten auch, daß sowohl Doris als auch Bob uns immer wieder von der Sache ablenken wollten. Als wir schließlich ein Gespräch mit dem Anwalt von Bob hatten, sagte er uns, daß die Lage sehr schlecht sei. Auf unser Erstaunen hin sagte er zu Andi: "Du mußt ja mit der ganzen Sache einverstanden gewesen sein, denn immerhin hat dein Bruder mit deiner Vollmacht unterschrieben".
Es stellte sich heraus, daß, als wir für die Auslandsgeschäfte kein Geld geliehen hatten, Bob und Doris im Namen der Fabrik die Pfändung durchgeführt hatten. Da Andi in der Firma als Teilhaber eingeschrieben war, wurde seine Unterschrift mit benötigt. Da sie wußten, daß er nicht einverstanden sein würde, hatte Rod ohne unser Wissen die Vollmacht, die Andi ihm hinterlassen hatte, mißbraucht. So erfuhren wir, daß Andi und ich (mittlerweile waren wir verheiratet) vor dem amerikanischen Recht zu Schuldnern geworden waren, und zwar über eine nicht geringe Menge Geld. Wir baten um Erklärung, doch auch dieses Mal kam die kategorische Entgegnung, daß alles gut werden würde, da man ja jetzt erst richtig erfahren habe, wie man dem Heiligen Geist gehorchen müsse. Wir sprachen auch telefonisch mit Rod in Montana und baten ihn, zu kommen. Seine Antwort war, daß der Heilige Geist dieses nicht möchte, da er etwas ganz anderes mit ihm vorhabe: Rod solle Missionar werden. Er habe sein Leben Gott übergeben, somit gehöre sein Leben nicht mehr ihm und er müsse seinem Herrn gehorchen. Als wir ihn fragten, warum alles so gelaufen sei und warum er sich falsch verhalten habe, entgegnete er auch nur, daß er nicht gewußt habe, wie man richtig dem Heiligen Geist gehorchen müsse. Jetzt wüßte er es aber und es würde alles anders. Er erzählte Andi auch, daß die Pastorin die Gabe der Prophetie von Gott erhalten habe und sie unter anderen gesehen hätte, daß ich Andi spirituell beherrsche und uns bald Schlimmes widerfahren würde, doch würde es halb so schlimm werden, wenn wir in diesen Momenten uns auf Gott besinnen würden....
Den Rest der Zeit verbrachten wir damit, daß wir mit Doris und Bob ein weiteres Vorgehen besprachen, ihnen Grundkenntnisse von Buchhaltung und Geschäftsführung beizubringen versuchten, Andi entwarf ihnen Formulare hierfür. Auch versuchten wir Ordnung in dem schon sehr verwahrlosten Haushalt und Garten zu bringen, Tätigkeiten für die anscheinend keiner Zeit gehabt hatte.
Zurück in Deutschland telefonierten wir wieder wöchentlich mit Bob und Doris. Sehr bald merkten wir, daß das, was wir versucht hatten ihnen beizubringen, als völlige Belanglosigkeit in den Hintergrund gerückt wurde. Wir versuchten von der Ferne aus, mit weichen und auch sehr harten Worten sie zur Vernunft zu bewegen, es nützte jedoch alles nichts: Sie reagierten nur mit einem verständnisvollen Lächeln. Diese Zeit war für uns mit sehr viel Spannungen versehen und wir stritten des öfteren. Die Anrufe nach Philadelphia versuchten wir nie später als 18:00 Uhr durchzuführen, denn wir hatten mittlerweile eine Erholung vor der Nachtruhe nötig.
In uns verstärkte sich der Verdacht, daß diese ganze Misere mit ihrer Glaubensform zu tun habe. Andi und ich gingen in die Stadtbücherei und wollten uns über ihre Glaubensform informieren. Da sie sich manchmal als Pflingstler bezeichneten, beschafften wir uns Literatur von Pfingstlern über ihre Bewegung; uns fiel dabei auch ein katholisches Buch über Jugendsekten in die Hände. Wir fühlten uns einer Lösung nahe, doch war sie nicht greifbar. Ich rief wieder bei der parapsychologischen Beratungsstelle an und bat um Fachliteratur über Sekten. Aufgrund der Liste kauften wir uns zunächst "Ausbruch aus dem Bann der Sekten" von Steven Hassan. Die Wirkung erschien und wie eine Erleuchtung: In diesem Buch wurde mit großer Ähnlichkeit das Verhalten von Andis Familie beschrieben (obwohl es sich um verschiedene Sekten handelte!), vieles wurde uns um einiges verständlicher.
Die Diagnose war uns endlich klar: Es handelte sich um Sektenstrukturen.
Wir lernten, wie von Hassan in seinem Buch als Erlernen des 'Sektenvokabulars' geraten, das festgelegte Glaubensvokabular der Gemeinschaft unserer Familie zu verwenden und wir fingen an die Bibel zu lesen und für unsere Argumentationsgrundlagen Bibelstellen herauszuschreiben. In den folgenden Monaten versuchten wir fachliche Hilfe zu bekommen, erschwert wurde dieses, da es sich um ein "Fall" im Ausland handelte. Wir bekamen einige Adressen und Telefonnummern. Auch dieses Unterfangen entpuppte sich als Abenteuer. Denn wir bekamen die tollsten Ratschläge und Angebote, von "das hört sich ja schlimm an, vielleicht solltet ihr mit einer hiesigen Pfingstgemeinde Kontakt aufnehmen, um helfen zu können" über "ihr müßt nur die Bibel richtig interpretieren" und "ich komme vorbei, um euch die Bibel verständlich zu machen, dann könnt ihr es euren Familienangehörigen beibringen" bis hin zu "welcher Kirche gehört ihr an? Vielleicht solltet ihr anfangen, gläubiger zu werden". Belastend war auch, daß wir jedesmal doch ziemlich private Dinge am Telefon uns unbekannten Menschen erzählen mußten, um eben ein Ergebnis erzielen zu können. Ziemlich bald war das besonders für Andi unangenehm. Mit diesen Erfahrungen wollten wir bald nichts mehr von den katholischen oder evangelischen Sektenbeauftragten wissen. Im Nachhinein erfuhren wir, daß wir wohl Pech gehabt haben. Mehrere Monate später unternahmen wir noch einen letzten Versuch und zwar beim sektenkritischen Verein Artikel 4, ohne größere Hoffnungen, da wir uns ähnliches wie in der Vergangenheit erwarteten. Nach dem Buch von Steven Hassan wurde es die zweite große Hilfe für uns. Durch ihre internationalen Verbindungen erfuhren wir zum ersten Mal nähere Details über die Art des fundamentalistischen Glaubens unserer Verwandten; wir erfuhren, daß die Bewegung, der Doris und Bob angehören, auch in Deutschland präsent ist. Durch sie bekamen wir Kontakte zu ehemaligen Mitgliedern solcher fundamentalistischen Gemeinschaften, die uns effektiv durch ihre Erfahrungen/Ratschläge bereichern konnten. Und: Wir fühlten uns nicht mehr so allein mit unseren Erlebnissen.
In der Zwischenzeit hatten wir weiterhin unsere wöchentlichen Gesprächen mit Philadelphia. Dadurch, daß wir jetzt mit dem Glaubensvokabular und erlernten Bibelstellen mit Bob und Doris kommunizieren konnten, war diese "lächelnde Wand", an die wir immer aufgelaufen waren, durchbrochen. Am Anfang war es schwer, wir fühlten uns dabei lächerlich wie auch unehrlich. Besonders Doris jubelte, da nun sich auch ihr jüngerer Sohn scheinbar 'auf dem wahren Weg' befand, es hatte sie belastet gehabt, daß Andi eventuell in der ewigen Verdammnis enden würde. So erfuhren wir mehr darüber, was sich tatsächlich abspielte. Bald folgten Prophezeiungen, daß Gott auch Andi als "Ziegelstein" für sein großes Werk ausersehen habe. Ich selbst wurde jetzt mehr anerkannt und wenig später wurde auch eine "Prophezeiung" über meine eigene Rettung ausgesprochen. Wir erfuhren, daß der sogenannte größte Prophet der heutigen Zeit Morris Cerullo sei. Zum ersten Mal erhielten wir mehr Infos zu der ganzen Szene als nur Begriffe wie "die Kirche", der "Pastor/Pastorin" oder "Bruder/Schwester (Vorname)" usw.
Rod wohnte immer noch mit seiner Familie in der Gemeinde dieser Pastorin in Montana. Eines Tages erzählte uns Doris, die Pastorin habe vom Heiligen Geist die Botschaft bekommen, daß sehr bald die wahren Christen in Montana verfolgt und hingerichtet werden würden - weshalb Gott die Flucht nach Kanada angeordnet habe. Wir versuchten, Rod zu erreichen, um ihn zu bitten, zurück nach Philadelphia zu ziehen und wir baten ihn, seinen Eltern zu helfen, da diese mittlerweile tief in Schwierigkeiten stecken (ihr ganzes Hab und Gut sollte wegen der Schulden kurzfristig versteigert werden). Doch der Heilige Geist (die Pastorin?!) erlaubte ihm nicht, seinen Eltern zu helfen. Rod war sogar empört darüber, daß Andi wenig Verständnis für sein Verhalten zeigte, pikiert sagte er, daß die Zeit zeigen würde, wer besser gehandelt habe. Er flüchtete mit der Gemeinde nach Kanada.
Zu dieser Zeit baten Doris und Bob uns wieder um Geld, da sie sonst alles verlieren würden. Wir liehen das Geld unter gewissen Bedingungen, die wir vorher schriftlich vereinbarten, unter anderem, soviel vom Besitz sofort zu verkaufen, um mindestens die legalen Schulden zu begleichen und der Bedingung, daß wir unseren Einsatz zurückerhalten würden. Sie stimmten diesem zu. Danach verstrich die Zeit und nichts passierte. Als Andi schließlich mit Nachdruck eine Erklärung verlangte, rückte Doris damit heraus, daß sie einen großen Teil der Grundstücke Gott geschenkt haben und sie nicht Gottes Eigentum verkaufen könnten, das sei auch durch diverse Prophezeiungen von diversen Personen untermauert. Erwähnenswert ist, daß die Kirche nicht bereit war diese Grundstücke zu kaufen, obwohl sie reich ist. Uns blieb nichts anderes übrig als uns zunächst damit abzufinden.
In den nächsten Monaten bestand unsere Mühe darin, daß sie nicht noch mehr abrutschen und den genauen Stand ihrer Schulden herauszufinden. Wir nahmen direkten Kontakt zu ihrem Anwalt und Verwandten auf. Zwischendurch hatten Doris und Bob immer wieder Ängste, ihr Telefon würde von Freimaurern abgehört, um Gottes Werk Schaden zuzufügen. Wir versuchten ihnen die Lächerlichkeit dieser Annahme nahezubringen, doch sie ließen sich nicht davon abbringen. Leider bekamen sie irgendwann einen scheinbaren 'Beweis', und zwar erzählte einmal jemand (ein 'Nichtchrist'), sein Telefon sei einmal mit dem von Bob verbunden gewesen und er habe Gespräche mitgehört. Das 'gekreuzte Leitungen' manchmal in diesen Gebieten vorkommen, war nicht in Bobs und Doris Kopf zu bringen, für sie spionierte dieser Mann für die Freimaurer.
Dann erfuhren wir, daß ein wichtiger Prophet nach Philadelphia kommen würde, um eine Großevangelisation durchzuführen. Uns wurde klar, daß wenn wir etwas retten wollten, dieses nur noch vor dem Ereignis durchzuführen sei. Wir beschlossen in einem Kurzurlaub hinzufliegen und alles rechtlich zu regeln. Wir wollten die Schulden nur unter der Bedingung übernehmen, daß alles auf Andi Namens überschrieben würde. Der Haken dabei war die "Schenkung an Gott". Wir überlegten hin und her. Das Problem löste sich dieses Mal ohne unser Zutun: Kurz vor unserer Abreise bekamen wir Meldung von Bob, der Heilige Geist habe ihnen über einen Pastor ausrichten lassen, daß die Grundstücke doch nicht Gott sondern Andi gehören.
Wir wissen immer noch nicht wie es zu dieser Prophezeiung gekommen ist, denn wir sind zwar als "auf dem Weg" anerkannt worden, doch sind wir weder Mitglieder noch haben wir uns mit ihrer Doktrin einverstanden erklärt. Doch die Prophezeiung des Pastors wurde von Doris und Bob akzeptiert.
Einmal dort erledigten wir alles sehr zügig. Bob und Doris waren etwas verwirrt über die schnelle Aktion, doch ließen wir ihnen nicht viel Zeit zum Nachdenken. Wir nahmen die Vollmachten zurück, regelten und sicherten alles auf rechtlichem Wege. Wir nutzten die kurze Zeit auch, um anhand von anderen Mustern von Sektenstrukturen Manipulations- und Indoktrinationstechniken zu erklären. Wir erlebten eine große Überraschung: Doris und Bob hatten sich von der Pastorin aus Montana losgesagt, weil sie 'eine Sekte' sei; sie bedauerten zwar sehr, daß Rod und Ann ihr noch hörig seien, doch würden sie ganz bestimmt den Weg zurück finden. Auch anhand von den Jehovas Zeugen (die zu dieser Zeit dort sehr aktiv missionierten) erklärte uns Doris genau, warum diese eine Sekte sein (Manipulation durch Ängste, Absolutheitsanspruch, wirtschaftliches Interesse usw.). Als wir vorsichtig einen Schritt weiter gehen und diese Faktoren in ihrer jetzigen Glaubensform untersuchen wollten, wehrten sie sich vehement. Sie hätten zwar den kurzen Abstecher in jene kleine Zweiggemeinde gemacht gehabt, doch hätten sie jetzt die wahre Lehre gefunden, und diese sei gleichzeitig die einzige Hilfe gegen falsche Lehren (die Verführungen des Teufels). Daß die Pastoren und Propheten, denen sie vertrauten, selbst über teure Autos, größere Geldmengen und sonstigen Luxusartikel verfügen, wollten sie nicht wahrnehmen - bis heute können wir das nicht nachvollziehen.
Zurück in Deutschland, sind wir jetzt wieder beruhigter. Dadurch, daß wir alles haben rechtlich regeln können, sind Andis Eltern nicht mehr in der Lage, sich in größere Schwierigkeiten zu manövrieren (hoffen wir). Wir rufen weiterhin regelmäßig an, um über die Geschehnisse informiert zu sein, vielleicht in der einen oder anderen Angelegenheit noch lenkend eingreifen zu können. Wir setzen uns weiterhin mit ihrer Doktrin, ihren Propheten und Pastoren auseinander und stellen Fragen...., vielleicht kann dadurch wieder ein gesunder Zweifel in ihnen entstehen. Vielleicht schaffen sie irgendwann mal doch noch den Absprung und können ihren Lebensabend als selbständige Menschen mit einem eigenen freien Glauben verbringen.
Zurück zu Rod und Ann. Sie blieben nicht lang in Kanada. Ihre Gemeinde hat dort nicht Fuß fassen können. Der Heilige Geist schickte sie nach ca. 2 Monaten kurz nach Philadelphia zu Doris und Bob, von dort aus wurden die Prophezeiungen diffus: Einmal sollten sie nach Mexiko, ein anderes Mal wieder woanders hin. Letzendlich entschied sich der Heilige Geist für Kalifornien und zwar für die Heimatstadt von Ann.
Wichtig ist noch zu erwähnen, daß der Heilige Geist Rod das Arbeiten verbot, er solle sich 'fulltime' Gottes Werk widmen. Das Geld zum Leben erwarb sich die Gemeinde durch Brotherstellung und -verkauf (angeblich sei dieses kein richtiges Arbeiten), jedoch genügte es für die Lebenshaltungskosten nicht.
Im Nachhinein erfuhren wir durch andere Quellen, daß durch diese Umstände die Gemeinde zum Fasten angehalten wurde. Ein Bekannter besuchte sie während dieser Zeit kurz in Montana und berichtete uns, daß durch diese Lebensweise auch die Kinder nicht genug zu essen bekamen, obwohl das nach außen hin abgestritten wurde.
Als Rod und Ann auf eine Prophezeiung der fundamentalistischen Gemeinschaft
hin nach Kalifornien zogen - zufällig in die Nähe der Eltern
von Ann -, nahmen wir nach einigen Monaten direkten Kontakt mit Anns Familie
auf. Nachdem wir ihre Sorgen gehört hatten, schickten wir Ihnen Informationen
über Sektenstrukturen.
Im folgenden fassen wir kurz die Erfahrungen von Anns Verwandten und Freunden zusammen:
Zuerst bemerkten sie nur, daß Ann nach der Hochzeit mit Rod intensiv begann, sich mit der Bibel zu beschäftigen und sie sehr 'christlich' wurde. Anns Eltern waren tolerant: "Wenn Ann dadurch glücklich ist", dachten sie, "warum nicht?".
Nach der Heirat zogen Rod und Ann nach Philadelphia zu Rods Eltern. Von dort erhielten Anns Eltern wenig Nachrichten, nur fiel ihnen der hohe Geldverbrauch der Familie ihrer Tochter auf, denn auch sie hatten Geld leihen müssen. Kurze Zeit, nachdem Ann und Rod nach Montana zur besagten Gemeinde gezogen waren, fingen sie an, sich ernste Sorgen zu machen. Anns Mutter besuchte die Gemeinde; sie fand nichts was sie hätte an ihr aussetzen können, und beschrieb auch die Pastorin als eine durchaus angenehme und freundliche Person. Dennoch hatte sie ein ungutes Gefühl bezüglich der Gemeinschaft, das sie aber nicht rational begründen konnte. So reiste sie wieder ab. Wochen später gab es keinen Kontakt mehr und die Gemeinde hatte sich gegen die Außenwelt abgeschottet. Alarmiert kontaktierte Anns Mutter Doris, doch Doris, die auch dieses Verhalten als merkwürdig empfand, ließ ausrichten, daß ihr Prediger Morris Cerullo gesagt habe, alles würde in Ordnung kommen. Anns Mutter wußte nicht, wer Morris Cerullo sei.
Als die Gemeinschaft schließlich Ann, Rod und ein paar andere nach Kalifornien sandte, waren Anns Eltern erleichtert zu hören, daß dadurch Ann mit Familie in ihre Nähe zog.
In der ersten Zeit fiel ihnen wenig auf. Die Familie, wie auch die anderen Gemeindemitglieder, machte nach außen hin einen harmonischen Eindruck. Doch mehr und mehr bekamen sie mit, daß in dem Häuschen, in das Ann mit ihrer Familie gezogen war, noch andere lebten. Das Geld reichte auch dort nicht aus. Aus was für Gründen auch immer erlaubte der Heilige Geist Rod in einem Hotel einen Job anzunehmen (den er ein paar Monate später wegen 'Desinteresse' verlor). Anns Eltern fingen an sie zu unterstützen, sie zahlten die Telefonrechnungen, ein Teil der Miete und steuerten einen Zuschuß zum Essen bei; sie wagten keine offene Kritik, aus Angst, daß dann der 'Heilige Geist' sie fortschicken könnte.
Anns Eltern bekamen mit, wie Ann und Rod des Morgens oft zu erschöpft waren, ihr ältestes schulpflichtiges Kind an diesem Tag zur Schule zu bringen. Durch die Gottesdienste und das Brotbacken kam es vor, daß die Kinder erst gegen 2 oder 3 Uhr morgens das Abendessen bekamen; sie hatten unregelmäßige Schlafzeiten und nächtigten manchmal in Sammelbetten. Anns Mutter begann, ihre Tochter jeden Schultag um 7:00 Uhr morgens anzurufen, um den Schulunterricht des Enkelkindes zu gewährleisten. Anns Eltern fingen an zu verzweifeln, sie versuchten, mit Ann und Rod zu sprechen und sie zur Vernunft zu bewegen, aber sie machten die selben Erfahrungen, die wir gemacht hatten: die der lächelnden, freundlichen Wand. (Zu diesem Zeitpunkt fand unser Gespräch statt, wir schickten die genannte Literatur und gaben u. a. den Rat, auf gar keinen Fall Geld zu geben, sondern im Höchstfall nur Naturalien, Kleidung usw.).
Wenn die Kinder krank wurden, hatten weder Rod noch Ann Zeit sich um sie zu kümmern, ärztliche Behandlung war für sie nicht von Bedeutung. Als Anns Mutter ihre Tochter daraufhin ansprach, antwortete Ann nur, das sei wenig im Vergleich dessen, was sie selbst in den Krankenhäuser und Armenvierteln bei ihren Missionsgängen sehe. Der Grund dieses Verhaltens waren die Prophezeiungen des Heiligen Geistes und der angeblich drohende Weltuntergang, die weder Rod noch Ann für anderes Zeit ließen. Zusätzlich 'schickte' der Heilige Geist Rod spontan irgendwohin; Rod fuhr dann per Anhalter und nahm des öfteren sein ältestes Kind mit. Ohne Geld waren sie auf solchen Reisen auf andere angewiesen, so kam es vor, daß sie dadurch mehrere Stunden in nächtlicher Kälte und ohne Nahrung auskommen mußten.
(Der Vollständigkeit halber möchten wir erwähnen, daß es sich um keine absichtliche Sorglosigkeit, Böswilligkeit handelt. Im Gegenteil, die Kinder werden liebevoll behandelt und diese sehen auch nicht unbedingt mißhandelt aus. Das Problem ist die krankhafte Art der Zuwendung, die die Kinder erfahren und der unausgeglichene und paranoide Lebensstil, dem sich die Kinder anpassen müssen. Die Kinder werden nicht als Kinder anerkannt, sondern als zukünftige Instrumente der sektenähnlichen Gemeinschaft herangezogen - sie werden später keine Wahl haben).
Manchmal kommen bei uns allen Überlegungen hoch, ob man nicht als letztes Mittel Ann und Rod das Sorgerecht über die Kinder entziehen sollte. Es würde uns aber allen sehr schwer fallen, doch Anns Mutter erklärte meines Erachtens ihrer Tochter einmal zurecht: "Du und Rod könnt mit eurem Leben machen was ihr wollt, aber du kannst nicht verlangen, daß wir mit ansehen, was aus euren Kinder wird".
Wir wissen heute nur, daß besonders Rod dringend psychisch-ärztlicher
Hilfe bedarf. Wir glauben, daß Ann trotz allem relativ gut aus den
vorhandenen Sektenstrukturen herausgelangen könnte, doch erschwert
wird eine solche Loslösung dadurch, daß beide an einem unbedingten
Gehorsam der Frau gegenüber dem Manne glauben und die Aussicht auf
das ersehnte 'Paradies' haben, das doch so nahe scheint.......
Alle Namen und Ortsangaben in dieser Geschichte sind zum Schutze der Betroffenen geändert worden. Entstehende Ähnlichkeiten zu anderen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.